Ausbildung und Beruf

Wie werde ich Schauspieler? Was braucht es, um Schauspielerin zu sein? Was bedeutet der Beruf Schauspieler*in? Was ist gutes Schauspiel? Welche Schauspieler sind gut oder sogar sehr gut? Diese Fragen höre ich sehr oft.

Was ist gutes Schauspiel? Darauf gibt es so viele Antworten wie Menschen, die sich damit auseinandersetzen. Dies führt zur vorhandenen Vielfältigkeit von Darstellungsformen. Schauspieler*in ist ein ungeschützter Titel und Beruf.

Gleichzeitig lebt der Mythos vom Menschen, der besondere Talente und Begabungen, Eigenschaften und Fähigkeiten besitzt, von der geborenen Schauspielerin, vom absoluten Naturtalent. Gewiss gab und gibt es immer wieder „Genies“, doch sie sind Ausnahmeerscheinungen, Einzelfälle, die ihre Kunst auf ein höchstes Niveau brachten. Aber 99 Prozent dessen, was wir auf der Bühne, am Bildschirm oder der Leinwand sehen, ist schlichtweg gut oder weniger gut geleistete Arbeit. Wenn man also das Schauspiel von der Berufung loslöst, so bleibt ein Beruf übrig. Wie bei jedem anderen Beruf erwartet der Kunde, in unserem Fall das Publikum, Professionalität und Qualität. Es gibt verschiedene Wege, um sich diese Kompetenz anzueignen.

Wege zur Kompetenz

Viele begabte Schauspieler*innen und Regisseur*innen haben ihre Fähigkeiten ganz einfach durch probieren erworben, durch Versuch und Irrtum. Dies ist ein langwieriger und schmerzvoller Weg und deshalb wurden viele auch ziemlich alt und haben Fehler gemacht, bis sie wussten, worauf es wirklich ankommt.

Eine deutlich effizientere und effektivere Möglichkeit besteht darin, kompetente Lehrer*innen zu finden. Dieses Vorgehen nennt man auch „best practice“, d.h. lernen von den Besten, profitieren von der langjährigen Erfahrung anderer.

Aufgaben

Der Beruf Schauspieler*in beinhaltet verschiedene Aufgaben, die erfüllt werden müssen. Diese Aufgaben können beschrieben und analysiert werden und man kann diese Aufgaben lernen und lehren. Der Erwerb dieser Kenntnisse und Fähigkeiten erfordert keine besonderen Begabungen oder Talente. Vielmehr sind Konzentration, Achtsamkeit, Offenheit und Fleiss gefragt. Wenn eine Begabung vorhanden ist, mag das vieles erleichtern. Aber auch Menschen mit einem sehr guten Ballgefühl können nicht einfach Tennis spielen, sondern müssen die Technik erlernen.

Beherrschung von Werkzeugen

Das zweite Element ist die Beherrschung von Werkzeugen, die bei der Erfüllung der Aufgaben eingesetzt werden. Der Schauspieler ist sein eigenes Instrument, die Schauspielerin ist ihr eigenes Werkzeug. Die Beherrschung von Werkzeugen muss erlernt werden. Ist dieses Können vorhanden, braucht es unermüdliches, fortgesetztes Training, um ein*e Meister*in darin zu werden. Kein Chirurg kommt mit der angeborenen Fähigkeit zur Welt, ein Laserskalpell zu bedienen. Auch die grössten Talente erreichen nur mit intensivem Training Spitzenresultate.

Kenntnisse

Das dritte Element ist die Kenntnis von gewissen Grundsätzen, Prinzipien, Philosophien, die bei der Erfüllung von Aufgaben und bei der Anwendung der Werkzeuge eingehalten werden müssen, um die erwünschte Qualität zu erreichen. Auch hier gilt: Man benötigt kein Talent, um sich dieses Wissen anzueignen und einzuhalten. Was man braucht ist Einsicht.

Verantwortung

Das vierte Element eines jeden Berufes ist die mit der Ausübung verbundene Verantwortung. Die Verantwortung gegenüber sich selbst, seinen Arbeitspartner*innen und schliesslich dem Publikum. Aber auch Verantwortung ist nicht eine Sache von Talent und Begabung, sondern eher eine Frage der Ethik, die darin besteht, für das, was man tut und gelegentlich auch für das, was man zu tun versäumt hat, einzustehen. An diese Verantwortung kann appelliert werden, aber sich dazu entscheiden, diese zu tragen, muss sich jede*r selbst.

Ziel

Damit ein*e Schauspieler*in eine darstellerische Herausforderung kreativ meistern kann, muss er/sie verschiedene Lösungswege kennen. Unterschiedlichste Techniken werden erarbeitet, um eine emotional, psychisch, körperlich, seelisch und intellektuell fundierte Darstellung zu ermöglichen. Dadurch gelingt ein authentisches Spiel, das durch Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit das Publikum fesselt.

Lebenslanges Lernen

Auf den ersten drei Elementen (Aufgaben, Werkzeuge, Kenntnisse) kann eine solide, praktische und theoretische Ausbildung aufgebaut werden. Das Erlernen dieser Dinge lässt sich mit dem Erlernen einer Fremdsprache, eines Instruments oder einer technischen Sportart vergleichen. Egal auf welcher Stufe sich jemand befindet, Anfänger*in, engagierter Laie oder leidenschaftliche Amateurin, Schauspielschüler*in oder professionelle*r Schauspieler*in mit Erfahrung, niemand kommt um das Lernen, um permanente Weiterbildung und das Trainieren herum.

Das Angebot es ZES Zentrum für Entwicklung im Schauspiel

In der Aus- und Weiterbildung am ZES wird davon ausgegangen, dass es keine absolute Wahrheit der Schauspieltechnik gibt und dass sich diese konstant weiter entwickelt. Der Schauspieler soll sich eine solide Basis schaffen. Von dieser ausgehend kann die Schauspielerin eine für sie funktionierende und verlässliche Palette von Problemlösungswegen aufbauen. Um sich dieses Netzwerk von Fähigkeiten zu knüpfen, sollten möglichst viele Wege untersuchen und erlernt werden, um dann spezifisch die weiteren individuellen Bedürfnisse zu erkennen und dort in die Tiefe zu gehen. 

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